Jane Eyre. Шарлотта Бронте

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Jane Eyre - Шарлотта Бронте


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Schmerz: die­se Emp­fin­dun­gen sieg­ten für den Au­gen­blick über die Furcht und ich trat ihm in wahn­sin­ni­ger Wut ent­ge­gen. Was ich mit mei­nen Hän­den tat, kann ich jetzt nicht mehr sa­gen, aber er schrie fort­wäh­rend »Rat­ze! Rat­ze!« und brüll­te aus Lei­bes­kräf­ten. Hil­fe war ihm nahe: Eli­za und Ge­or­gi­na wa­ren ge­lau­fen, um Mrs. Reed zu ho­len, die nach oben ge­gan­gen war. Jetzt er­schi­en sie auf der Sze­ne, und ihr folg­ten Bes­sie und ihre Kam­mer­jung­fer Ab­bot. Man trenn­te uns: dann ver­nahm ich die Wor­te:

      »Du lie­be Zeit! Du lie­be Zeit! Welch eine Fu­rie, so auf Mr. John los­zu­stür­zen!«

      »Hat man je­mals ein so lei­den­schaft­li­ches Ge­schöpf ge­se­hen!« –

      Dann füg­te Mrs. Reed hin­zu:

      »Führt sie in das rote Zim­mer und schließt sie dort ein.« Vier Hän­de be­mäch­tig­ten sich mei­ner so­fort und man trug mich nach oben.

      Auf dem gan­zen Wege leis­te­te ich Wi­der­stand; dies war et­was Neu­es und ein Um­stand, der viel dazu bei­trug, Bes­sie und Miss Ab­bot in der schlech­ten Mei­nung zu be­stär­ken, wel­che die­se oh­ne­hin schon von mir heg­ten. Tat­sa­che ist, dass ich voll­stän­dig au­ßer mir war, wie die Fran­zo­sen zu sa­gen pfle­gen; ich wuss­te sehr wohl, dass die Em­pö­rung die­ses einen Au­gen­blicks mir schon au­ßer­ge­wöhn­li­che Stra­fen zu­ge­zo­gen ha­ben muss­te, und wie vie­le an­de­re re­bel­li­sche Skla­ven war ich in mei­ner Verzweif­lung fest ent­schlos­sen, bis ans Äu­ßers­te zu ge­hen.

      »Hal­ten Sie ihre Arme, Miss Ab­bot; sie ist wie eine wil­de Kat­ze.«

      »Schä­men Sie sich! Schä­men Sie sich!« rief die Kam­mer­jung­fer. »Welch ein ab­scheu­li­ches Be­tra­gen, Miss Eyre, einen jun­gen Gent­le­man zu schla­gen! Den Sohn Ih­rer Wohl­tä­te­rin! Ihren jun­gen Herrn!«

      »Herr! Wie ist er mein Herr? Bin ich denn eine Die­ne­rin?«

      »Nein. Sie sind we­ni­ger als eine Die­ne­rin, denn Sie tun nichts, Sie ar­bei­ten nicht für Ihren Un­ter­halt. Da! Set­zen Sie sich und den­ken Sie über Ihre Schlech­tig­keit und Bos­heit nach!«

      In­zwi­schen hat­ten sie mich in das von Mrs. Reed be­zeich­ne­te Ge­mach ge­bracht und mich auf einen Stuhl ge­wor­fen; mein ers­ter Im­puls war, wie eine Sprung­fe­der wie­der von dem­sel­ben em­por zu schnel­len; vier Hän­de hiel­ten mich je­doch au­gen­blick­lich wie­der wie mit ei­ser­nen Klam­mern.

      »Wenn Sie nicht still sit­zen, wer­den wir Sie fest­bin­den«, sag­te Bes­sie. »Miss Ab­bot, bor­gen Sie mir Ihre Strumpf­bän­der; die mei­nen wür­de sie au­gen­blick­lich zer­rei­ßen.«

      Miss Ab­bot wand­te sich ab, um ein star­kes Bein von den not­wen­di­gen Ban­den zu be­frei­en. Die­se Vor­be­rei­tun­gen, um mir Fes­seln an­zu­le­gen, und die neue Schan­de, die dies für mich be­deu­te­te, diente dazu, mei­ne Auf­re­gung ein we­nig zu min­dern.

      »Neh­men Sie sie nicht ab«, schrie ich, »ich wer­de ganz still sit­zen.«

      Um ih­nen für dies Ver­spre­chen eine Ga­ran­tie zu bie­ten, hielt ich mich mit bei­den Hän­den an mei­nem Sitz fest.

      »Das möch­te ich Ih­nen auch ra­ten«, sag­te Bes­sie; und als sie sich über­zeugt hat­te, dass ich wirk­lich an­fing, mich zu be­ru­hi­gen, ließ sie mich los; dann stell­ten sie und Miss Ab­bot sich mit ge­kreuz­ten Ar­men vor mich und blick­ten fins­ter und zwei­felnd in mein Ge­sicht, als glaub­ten sie nicht an mei­nen ge­sun­den Ver­stand.

      »Das hat sie bis jetzt noch nie­mals ge­tan«, sag­te end­lich Bes­sie zu Abi­gail ge­wen­det.

      »Aber es hat schon lan­ge in ihr ge­steckt«, lau­te­te die Ant­wort. »Ich habe der gnä­di­gen Frau schon oft mei­ne Mei­nung über das Kind ge­sagt, und sie hat mir auch bei­ge­stimmt. Sie ist ein ver­steck­tes, klei­nes Ding: ich habe noch nie ein Mäd­chen in ih­rem Al­ter ge­se­hen, das so schlau wäre.«

      Bes­sie ant­wor­te­te nicht; nach ei­ner Wei­le wand­te sie sich zu mir und sag­te:

      »Fräu­lein, Sie soll­ten doch wis­sen, dass Sie Mrs. Reed ver­pflich­tet sind, sie er­hält Sie. Wenn sie Sie fort­schick­te, so müss­ten Sie ins Ar­men­haus ge­hen.«

      Auf die­se Wor­te fand ich nichts zu er­wi­dern; sie wa­ren mir nicht mehr neu; so weit ich in mei­nem Le­ben zu­rück­den­ken konn­te, hat­te ich Win­ke des­sel­ben In­halts ge­hört. Die­ser Vor­wurf mei­ner Ab­hän­gig­keit war in mei­nen Ohren fast zum lee­ren, be­deu­tungs­lo­sen Sings­ang ge­wor­den, sehr schmerz­lich und be­drückend, aber nur halb ver­ständ­lich. Nun fiel auch Miss Ab­bot ein:

      »Und Sie soll­ten auch nicht den­ken, dass Sie mit den Fräu­lein Reed und Mr. Reed auf glei­cher Stu­fe ste­hen, weil Mrs. Reed Ih­nen gü­tig er­laubt, mit ih­ren Kin­dern er­zo­gen zu wer­den. Die­se wer­den ein­mal ein großes Ver­mö­gen ha­ben, und Sie sind arm. Sie müs­sen de­mü­tig und be­schei­den sein und ver­su­chen, sich den an­de­ren an­ge­nehm zu ma­chen.«

      »Was wir Ih­nen sa­gen, ist zu Ihrem Bes­ten«, füg­te Bes­sie hin­zu, ohne in har­tem Ton zu re­den, »Sie soll­ten ver­su­chen, sich nütz­lich und an­ge­nehm zu ma­chen, dann wür­den Sie hier viel­leicht eine Hei­mat fin­den; wenn Sie aber hef­tig und roh und un­ge­zo­gen wer­den, so wird Mrs. Reed Sie fort­schi­cken, da­von bin ich fest über­zeugt.«

      »Au­ßer­dem«, sag­te Miss Ab­bot, »wird Gott Sie stra­fen. Er könn­te Sie mit­ten in Ihrem Trotz tot zu Bo­den fal­len las­sen, und wo­hin kämen Sie dann? Kom­men Sie, Bes­sie, wir wol­len sie al­lein las­sen: um kei­nen Preis der Welt möch­te ich ihr Herz ha­ben. Sa­gen Sie Ihr Ge­bet, Miss Eyre, wenn Sie al­lein sind; denn wenn Sie nicht be­reu­en, könn­te et­was Schreck­li­ches durch den Ka­min her­un­ter­kom­men und Sie ho­len.«

      Sie gin­gen und schlos­sen die Tür hin­ter sich ab.

      Das rote Zim­mer war ein Frem­den­zim­mer, in dem nur sel­ten je­mand schlief; ich könn­te bei­na­he sa­gen nie­mals oder nur dann, wenn ein zu­fäl­li­ger Zu­sam­men­fluss von Be­su­chern auf Ga­tes­head-Hall es not­wen­dig mach­te, alle Räum­lich­kei­ten des Hau­ses nutz­bar zu ma­chen. Und doch war es eins der schöns­ten und präch­tigs­ten Ge­mä­cher im Her­ren­hau­se. Wie ein Ta­ber­na­kel stand im Mit­tel­punkt des­sel­ben ein Bett von mas­si­ven Ma­ha­go­nipfei­lern ge­tra­gen und mit Vor­hän­gen von dun­kel­ro­tem Da­mast be­hängt; die bei­den großen Fens­ter, de­ren Rou­leaux im­mer her­ab­ge­las­sen wa­ren, wur­den durch Ge­hän­ge und Fal­ten­dra­pe­ri­en vom sel­ben Stof­fe halb ver­hüllt; der Tep­pich war rot; der Tisch am Fu­ßen­de des Bet­tes war mit ei­ner hoch­ro­ten De­cke be­legt; die Wän­de wa­ren mit ei­nem Stof­fe be­hängt, der auf licht­brau­nem Grun­de ein zar­tes rosa Mus­ter trug; die Gar­de­ro­be, der Toi­let­te­tisch, die Stüh­le wa­ren aus dunklem, po­lier­tem Ma­ha­go­ni an­ge­fer­tigt. Aus die­sen düs­te­ren Schat­ten er­ho­ben sich weiß und hoch und glän­zend die auf­ge­häuf­ten Ma­trat­zen und Kopf­kis­sen des Bet­tes, über die eine schnee­wei­ße De­cke ge­brei­tet war. Eben so un­heim­lich stach ein großer, ge­pols­ter­ter, eben­falls wei­ßer Lehn­stuhl her­vor, der am Kop­fen­de des Bet­tes stand und vor dem sich ein Fuß­sche­mel be­fand; da­mals er­schi­en er mir wie ein geis­ter­haf­ter Thron.

      Das Zim­mer war


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