Personzentriertes Arbeiten in sozialen Berufen. Petr Ondracek

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rel="nofollow" href="#fb3_img_img_e1dc9e5a-cde8-52b5-9039-06bf1eabdbbb.gif" alt="image"/> Zweitens: An einigen Stellen werden im Text sog. Exkurse zu Sichtweisen und Praxissituationen eingebracht. Die meisten beziehen sich auf das Fachgebiet der Heilpädagogik. Begründet ist diese »Übermacht« der heilpädagogischen Beispiele darin, dass der Autor sein (fachliches) Leben lang auf dem Feld der Didaktik und Methodik der Heilpädagogik gewirkt hat – als Erzieher, Psychologe, Heimleiter und als Hochschuldozent in der Berufsausbildung von angehenden Heilpädagoginnen und Heilpädagogen. Folglich verfügt er über eine stattliche Anzahl von Situationen, Ansichten und Anregungen, die als veranschaulichende Beispiele zu den theoretischen Ausführungen verwendet werden können. Damit sollen andere soziale Berufe keineswegs ins Abseits geraten. Denn es gibt auch einige veranschaulichende Exkurse zu anderen als heilpädagogischen Fachgebieten. Ob dort oder woanders, ist eigentlich egal, weil sie für die Fachpersonen aus allen sozialen Berufen eine interessante Möglichkeit darstellen, das, was dort steht, in ihre eigene spezifische Tätigkeitsausrichtung zu transferieren.

      image Drittens werden die hier dargestellten theoretischen und methodischen Ansätze der Psychologie nicht vollständig erörtert, sondern nur ausgewählte Teilbereiche daraus. Diese Auswahl folgt dem Grundsatz »erforderlich und ausreichend« für die Orientierung in den hoch handlungsrelevanten Themen Personzentriertheit und Personzentriertes Arbeiten. Eine umfassende Beschreibung der Theorien von C. Rogers, A. Maslow, A. Adler und A. Bandura würde nicht nur den Umfang dieses Buches sprengen, sondern auch seinen Zweck verfehlen. Die Kolleginnen und Kollegen in sozialen Berufen (dazu zählen selbstverständlich auch diejenigen, die erst in der Berufsvorbereitung stehen oder sich entsprechend fort- und weiterbilden) sollen nämlich durch die Lektüre dieses Buches nicht zu einer Art »Kleinpsychologen« werden, sondern Anregungen und Hinweise auf die Entfaltung ihrer interaktiv-kommunikativen Kompetenz im Rahmen ihrer Qualifikation bekommen. Sollten sie durch die Auseinandersetzung mit den hier beschriebenen Aspekten der Personzentriertheit zusätzliche Lust auf mehr psychologisches Fachwissen spüren, können sie dieses durchaus nachvollziehbare Wachstumsbedürfnis (siehe die Ausführungen zu A. Maslow) durch die Lektüre der verwendeten Literatur oder eines der vielen guten psychologischen Lehrbücher befriedigen.

      image Viertens beziehen sich die Ausführungen zu Personzentriertheit und Personzentriertem Arbeiten grundsätzlich auf die berufliche Tätigkeit. Der Erfahrung des Autors nach kann sich dort das personzentrierte Arbeiten mit hoher Wahrscheinlichkeit als positiv wirkender Katalysator bei der Durchführung fachspezifischer Leistungen erweisen, wenn auch sicherlich nicht immer, denn es gibt auch Grenzen und »Stolpersteine«, die diese Wirksamkeit verringern. Das gehört zu jeder Art der Einflussnahme auf Menschen und damit müssen die Fachpersonen in sozialen Berufen leben. Nur soll diese Tatsache sie nicht daran hindern, in der Kommunikation und Interaktion mit dem Gegenüber immer wieder personzentriert aufzutreten – das zeichnet eine bewusste personzentrierte Professionalität der Fachperson aus. Diese anzuregen und ihre Herausbildung/Entfaltung zu unterstützen ist das erklärte Ziel dieses Buches. Es gibt sicherlich auch im privaten Leben diese Wahrscheinlichkeit der positiven Wirkung. Wer die Personzentriertheit wirklich verinnerlicht hat, tendiert dazu, auch im außerberuflichen Geschehen entsprechend aufzutreten. Das unterliegt allerdings meist der nicht bewussten Spontaneität und Selektivität, und um die geht es hier nicht.

      Noch vor den Ausführungen zum Thema dieses Buches soll hier zuerst einiges gesagt werden, was eine erste Orientierung in der Lektüre hinsichtlich der Frage »Wozu soll es gut sein, dieses Buch durchzulesen?« ermöglicht.

      Es geht hier um die Darstellung einer Arbeitsweise, die als »personzentriertes Arbeiten« bezeichnet wird und eine hohe Relevanz für Interaktion, Kommunikation und Aufgabenerledigung im Alltag der sozialen Berufe aufweist. Eigentlich müsste sie einen unabdingbaren Bestandteil methodischer Ausstattung aller dort tätigen Fachpersonen darstellen.

      Die Verwendung des Konditionals »müsste« fußt auf der Tatsache, dass dies noch lange nicht der Fall ist. Diese Feststellung ergibt sich nicht aus etwaigen Untersuchungen zur Verbreitung der Personzentriertheit in der bunten Schar sozialer Berufe. Sie ist das Ergebnis der jahrzehntelangen Beobachtung des Autors (also sozusagen einer »klinischen Erfahrung«) im Kontext seiner Tätigkeit als Erzieher, Lehrer, Berater, Weiter-/Fortbildungsdozent und Hochschullehrer.

      Die nächste Feststellung bezieht sich auf die Tatsache, dass die meisten Fachpersonen durchaus imstande sind (und sehr viele tun es auch), personzentriert zu arbeiten. Schließlich trägt jeder Mensch das entsprechende Potential dazu in sich (siehe hierzu das Menschenbild der humanistischen Psychologie, wie es Carl Rogers beschreibt). Nur wird i. d. R. diese natürliche Ressource im Berufsalltag nicht systematisch, begründet, gekonnt und reflektiert genutzt, sondern eher zufällig, selektiert, ungeübt und nicht reflektiert.

      Weil die Möglichkeiten einer positiven Wirkung personzentrierter Arbeitsweise auf beteiligte Menschen und auf die Interaktions-/Kommunikationsprozesse recht gut sind (diese Feststellung ist ebenfalls Ergebnis der o. g. »klinischen Erfahrung« des Autors), ist es ein Anliegen dieses Buches,

      image die Leserinnen und Leser über einige Kontexte der Personzentriertheit (Möglichkeiten, »Stolpersteine«, Grenzen) zu informieren,

      image ihnen eine möglichst gute Orientierung in Theorie, Methodik und Praxis dieser Art des Umgangs mit dem zu unterstützenden Menschen zu geben,

      image und – last but not least – sie zur Überprüfung und Präzisierung (vielleicht kann man sagen Verberuflichung) ihrer naturgemäßen Personzentriertheit zu motivieren.

      Somit lässt sich die anfängliche Sinnfrage wie folgt beantworten: Das Durchlesen (noch besser wäre zu sagen: das Durcharbeiten) dieses Buches gibt eine Grundorientierung in einer positiv wirkenden Art und Weise des Umgangs mit (de facto) jedem Gegenüber im Berufsalltag (und auch darüber hinaus im Privatleben). Außerdem birgt das Buch eine Chance auf eine präzisere Orientierung in eigener Personzentriertheit und gibt Hinweise auf ein bewussteres und gekonnteres personzentriertes Auftreten.

      Die bisherigen, eher allgemein gehaltenen Hinweise auf die Sinnfrage der Buchlektüre werden im Folgenden mit einigen Aussagen und Informationen zum Thema konkretisiert.

      »Seit über 15 Jahren bin ich dabei und habe immer noch Freude an der Arbeit …« Dies ist die Aussage einer Mitarbeiterin, die im Gruppendienst unter den Standardbedingungen einer Einrichtung der Behindertenhilfe arbeitet. Worin ist die Arbeitszufriedenheit dieser Mitarbeiterin begründet? Wie kommt es, dass sie eine solche Aussage machen kann? Das Wesentliche scheint hier ihre Art von Aufgabenerledigung zu sein. Diese ist personbezogen, personstärkend, kontaktfördernd, partnerschaftlich und mitbeteiligend, mit der Folge, dass die Alltagsbewältigung einerseits mit weniger Missverständnissen, Problemen, Kampf, Misserfolgen u. ä. belastet und andererseits durch gemeinsames Tun, Kommunikation und Erfolgserlebnisse entlastet wird. Der Arbeitsalltag wird positiv erlebt und die Zufriedenheit gestärkt.

      Diese Art der Aufgabenerledigung ist für das personzentrierte Arbeiten charakteristisch. Das Wort »personzentriert« mag der einen oder anderen heilpädagogisch tätigen Fachperson bekannt vorkommen. In der Tat hat es mit C. R. Rogers und dem Menschenbild der humanistischen Psychologie zu tun. Die oben zitierte Mitarbeiterin hat eine Weiterbildung zum Thema »Personzentriertes Arbeiten« absolviert und die Äußerung ist ihrem Erfahrungsbericht entnommen.

      Es ist wichtig zu wissen, dass alle Menschen die personzentrierte Umgangsart als kleine Kinder mehr oder weniger von ihren Eltern erfahren haben und dass sie selbst im Umgang mit anderen mehr oder weniger so vorgehen. Es ist ein Umgang mit sich selbst und mit anderen Menschen, welcher – jenseits aller organisatorischen, technischen, finanziellen und sonstigen Faktoren der Arbeitswelt – die wesentlichen Grundaspekte des menschlichen Daseins wahrt: Annahme, Achtung und Respekt.

      Häufig


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