Gesammelte Werke von Emile Zola: Die Rougon-Macquart Reihe, Romane & Erzählungen. Emile Zola

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Gesammelte Werke von Emile Zola: Die Rougon-Macquart Reihe, Romane & Erzählungen - Emile Zola


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des Herrn Hupel de la Noue war der Boden mit einer Unmasse von Zwanzigfrancsstücken bedeckt, man sah die Louisd'ors zu ganzen Bergen angehäuft, dann wieder unbeachtet über den Boden hingestreut, Gold, flimmerndes Gold überall, wohin das Auge fiel.

      Auf der Spitze eines Goldhügels befand sich Frau von Guende, die den Pluto darstellte, in sitzender Stellung, ein weiblicher Pluto, der seinen Busen zeigte durch die großen Streifen seines Kleides, welches in allen Metallfarben schimmerte. Rings um den Gott gruppirten sich in den verschiedensten Stellungen, stehend, halb liegend, zu Paaren vereint oder abseits prangend, die herrlichen Blüthen dieser Grotte, in welcher alle Schätze aus tausendundeiner Nacht vereinigt zu sein schienen: Frau Haffner repräsentirte das Gold in einem strahlenden Kostüm, das einem Bischofsmantel glich, Frau von Espanet das Silber, indem sie lieblich wie Mondesschein flimmerte; Frau von Lauwerens in dunklem Blau stellte den Saphir dar, an ihrer Seite die kleine Frau Daste einen lächelnden Türkis, der ein zartes Lichtblau zeigte; weiterhin sah man Frau von Meinhold als Smaragd, Frau von Teissière als Topas und etwas seitwärts die Gräfin Vanska als Koralle. Ihre dunkle Haut eignete sich trefflich hierzu, die erhobenen Arme waren mit rothen Zierrathen behängt und sie glich einem reizenden Polypen, der zwischen dem rosigen Weiß der halb geöffneten Muscheln gleichsam einen üppigen Frauenleib sehen ließ. Das Geschmeide der Damen, Hals- und Armbänder, Diademe und Nadeln, war aus demselben edlen Gestein verfertigt, welches jede von ihnen darstellte. Allgemeine Bewunderung erregten die originellen Schmucksachen der Damen Espanet und Haffner, welche ausschließlich aus neuen kleinen Gold- und Silberstücken bestanden. Im Uebrigen blieb der Vorgang im Vordergrunde derselbe: die Nymphe Echo warb um den schönen Narziß, der aber noch immer energisch abwehrte. Und die Augen der Zuschauer hafteten trunken an diesem Schauspiel, welches einen Blick in das lodernde Innere unserer Erdkugel darbot, an diesen Massen Goldes, welche den Reichthum einer ganzen Welt darstellten.

      Das zweite Bild erzielte einen noch größeren Erfolg als das erste. Die demselben zu Grunde liegende Idee erschien überaus geistvoll. Diese Zwanzigfrancsstücke, diese moderne eiserne Kasse, die irgendwie in diese Darstellung der griechischen Mythologie gerathen, entzückte die Phantasie der anwesenden Damen und Geldmänner. Die Worte: »Wie viel Gold! welche Massen Goldes!« gingen lächelnd, mit behaglichem Schauer von Mund zu Mund und sicherlich dachte sich jede Dame, jeder Herr, wie herrlich es wäre, diese Schätze sein eigen zu nennen und daheim im einbruchssicheren Schrank zu bewahren.

      »England hat gezahlt; dies sind Ihre Milliarden,« flüsterte Luise Frau Sidonie boshaft ins Ohr.

      Frau Michelin, deren Mund ein entzücktes Verlangen offen hielt, hatte ihren Almee-Schleier ein wenig zurückgeschlagen und umfaßte die Goldmassen mit liebevollen, glänzenden Blicken, während die ernste Männerwelt in Behagen schwelgte. Herr Toutin-Laroche, dessen Gesicht leuchtete, flüsterte dem Baron, dessen Wangen gelbliche Flecke zeigten, einige Worte ins Ohr, während Mignon und Charrier, die weniger diskret waren, mit brutaler Naivität bemerkten:

      »Alle Wetter! da gäbe es Geld, um Paris niederzureißen und wieder aufzubauen.«

      Die Bemerkung däuchte Saccard sehr tiefsinnig und er begann zu glauben, daß sich die Herren Mignon und Charrier über die Welt lustig machten, indem sie sich dumm stellten. Als sich der Vorhang schloß und das Klavier den Triumphmarsch unter großem Lärm und mit einer Menge durcheinandergeworfener Noten, die wie ein letztes Klappern der harten Thaler klangen, beendete, wurde lebhafter und anhaltender Beifall gespendet als vorher.

      Während des zweiten Bildes war der Minister in Begleitung seines Secretärs, des Herrn von Saffré, in der Thür des Salons erschienen. Saccard, der bereits ungeduldig auf die Ankunft seines Bruders gelauert hatte, wollte ihm entgegeneilen, um ihn zu begrüßen. Jener aber hatte ihm mit einer Geberde bedeutet, er möge seinen Platz nicht verlassen, worauf er langsam der Gruppe ernster Männer zuschritt. Als der Vorhang gefallen war, und man seiner ansichtig wurde, ward im Salon ein allgemeines Gemurmel vernehmbar, während sich ihm Aller Köpfe zuwendeten. Der Minister bedrohte ernstlich den Erfolg der »Liebe des schönen Narziß und der Nymphe Echo«.

      »Sie sind ein Poet, Herr Präfekt,« sagte er lächelnd zu Herrn Hupel de la Noue. »Sie haben, glaube ich, bereits einen Band Gedichte unter dem Titel »Epheuranken« herausgegeben... Wie ich sehe, haben die Sorgen der Administration Ihrer Phantasie keinen Eintrag gethan.«

      Der Präfekt fühlte die Spitze eines Tadels in den schmeichelhaften Worten. Das plötzliche Erscheinen seines Vorgesetzten brachte ihn umsomehr außer Fassung, als er mit einem Blick seine Toilette musternd, um zu sehen, ob dieselbe keinerlei Einbuße erlitten, auf seinem Rockärmel die Spur der kleinen, weißen Hand erblickte, welche er nicht wegzuwischen wagte. Er verbeugte sich und stotterte einige Worte.

      »Wahrlich,« fuhr der Minister zu den ihn umgebenden Personen gewendet fort; »diese Mengen Goldes boten einen herrlichen Anblick... Wir würden große Dinge ausführen, wenn uns Herr Hupel de la Noue Geld verschaffen wollte.«

      Dies besagte in der Ministersprache dasselbe, was vorhin die Herren Mignon und Eharrier behauptet hatten. Nun ergingen sich die Herren in endlosen Schmeicheleien, zu welchen die letzten Worte des Ministers Anlaß geboten: das Kaiserreich habe bereits Großartiges vollbracht; dank der hohen Einsicht und Weisheit der Regierung sei an Geld kein Mangel; niemals habe Frankreich eine so geachtete Stellung unter den europäischen Staaten eingenommen und so weiter. Die Herren wurden schließlich so platt und abgeschmackt, daß der Minister selbst auf ein anderes Thema überging. Er hörte den Leuten erhobenen Hauptes zu, während seine Mundwinkel ein wenig emporgezogen waren, was seinem großen, weißen, sorgfältig rasirten Gesicht einen Ausdruck des Zweifels und lächelnder Mißachtung gab.

      Saccard, der die Ankündigung der Vermählung seines Sohnes mit Luise de Mareuil herbeiführen wollte, manövrirte, um einen gewandten Uebergang zu finden. Er trug eine große Vertraulichkeit zur Schau und sein Bruder spielte den Gutmüthigen, erwies ihm die Freundschaft, daß er sich den Anschein gab, als wäre er ihm herzlich zugethan. Der Minister sah wirklich überlegen aus mit seinem klaren Blick, seiner augenscheinlichen Verachtung aller niedrigen Ränke und seinen breiten Schultern, die mit einem Zucken dieses ganze Gelichter hier über den Haufen geworfen hätten. Als von der geplanten Vermählung endlich die Rede war, zeigte er sich sehr liebenswürdig und ließ durchblicken, daß er sein Hochzeitsgeschenk bereit halte; er meinte die Ernennung Maxime's zum Auditor im Staatsrath. Er ging so weit, seinem Bruder mit der gutmüthigsten Miene zweimal zu versichern:

      »Sage Deinem Sohne, daß ich sein Trauzeuge sein will.«

      Herr von Mareuil erröthete vor Freude. Man beglückwünschte Saccard und Toutin-Laroche bot sich als zweiter Zeuge an. Mit einer plötzlichen Wendung kam man dann auf die Ehescheidung zu sprechen. Ein Mitglied der Opposition hatte, wie Herr Haffner sagte: »den traurigen Muth«, diese soziale Schmach in Schutz zu nehmen. Jedermann war empört und es wurden schöne Worte der Keuschheit und Züchtigkeit vernehmbar. Herr Michelin lächelte dem Minister zu, während Mignon und Charrier erstaunt gewahrten, daß der Kragen seines Rockes stark abgenützt sei.

      Während dieser ganzen Zeit konnte Herr Hupel de la Noue seiner Befangenheit nicht Herr werden und noch immer lehnte er an dem Fauteuil des Barons Gouraud, der sich begnügt hatte, mit dem Minister schweigend einen Händedruck zu wechseln. Der Poet wagte seinen Platz nicht zu verlassen. Ein unerklärliches Gefühl, die Furcht lächerlich zu erscheinen, die Gunst seines hohen Vorgesetzten zu verlieren, fesselte ihn an seinen Platz trotz des brennenden Verlangens, die Damen für das letzte Bild auf der Estrade zu placiren. Er harrte des Augenblicks, daß ihm ein glücklicher Einfall kommen und ihn wieder in das Wohlwollen des Ministers einsetzen würde. Er vermochte aber nichts zu finden. Immer beengender senkte sich die Verlegenheit über ihn, als er endlich Herrn von Saffré erblickte. Der junge Mann war soeben erst gekommen und darum zum Opfer geeignet.

      »Sie kennen das Scherzwort der Marquise nicht?« fragte der Präfekt. Doch war er so verwirrt, daß er die Sache nicht in ergötzlicher Weise vorzutragen vermochte und so fuhr er holperig fort:

      »Ich sagte ihr: »Sie haben ein reizendes Kostüm« und da gab sie mir zur Antwort ...«

      »»Ich habe darunter noch ein viel hübscheres,«« ergänzte Herr von Saffre ruhig. »Das ist


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