Toni der Hüttenwirt Paket 2 – Heimatroman. Friederike von Buchner

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Toni der Hüttenwirt Paket 2 – Heimatroman - Friederike von Buchner


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sah Ina erstaunt an.

      »Du siehst das so nüchtern, Ina. Ich kann dir nur sagen: Ich staune!«

      »Anna«, und wieder hingen Tränen zwischen Inas Wimpern. »Anna, glaube nicht, daß es nicht weh tut. Aber ich muß damit leben.«

      Ina stand auf und schulterte ihren Rucksack.

      »Gehst du jetzt zu Dieter? Was wirst du ihm sagen, Ina?«

      Ina schüttelte den Kopf.

      »Anna, ich will Dieter nicht sehen! Wenn er kommt, sage ihm, ich sei hier gewesen und wieder gegangen. Wenn ich sofort losgehe, dann schaffe ich es noch, bis zum Abend unten in Waldkogel zu sein. Dieter muß sich Klarheit verschaffen. Er muß tun, was er tun muß. Es ist seine Angelegenheit. Er wollte mit mir nicht darüber sprechen. Das muß ich so hinnehmen. Ich will mich auch nicht weiter aufdrängen. Dieter weiß, wo er mich findet, wenn er mich finden will. Sage ihm aber, daß ich keine heimliche Geliebte sein will. Ich will ihn ganz oder gar nicht. Da er jetzt wohl – mit sehr großer Wahrscheinlichkeit – mit Gesa zusammenkommt, verschwinde ich aus seinem Leben.«

      Anna staunte.

      »Ina, ich kann nicht glauben, daß du Dieter liebst!«

      »Anna, das täuscht! Ich liebe Dieter! Ich werde ihn immer lieben. Außerdem muß er auf mich zukommen. Anna, trotz aller Liebe: Ich muß einen kühlen Kopf bewahren! Auch wenn mein Herz so wund ist. Es tut sehr weh, Anna, sehr, sehr weh. Deshalb kann ich jetzt auch nicht in seine Augen sehen.«

      Ina seufzte tief.

      »Anna! Es ist wie ein Sturm in meinem Herzen. Meine Gefühle sind wie ein Schiff auf dem Meer. Auf der einen Seite fühle ich, daß das alles nur ein schlechter Traum sein kann. Ich denke, es muß ein Irrtum sein. Auf der anderen Seite muß ich auch in Betracht ziehen, daß Dieter mich mit Gesa betrogen hat. Dabei kann es doch auch sein, daß er sich wohl erinnert. Vielleicht tut er nur so, als sei er so betrunken gewesen. Weißt du es? Kann ich es wissen? Dieter und Hans waren einmal gute, wirklich eng verbundene Bergkameraden. Da würde einer für den anderen einstehen. Hans sagt es doch auch, daß Dieter und Gesa zusammen waren. Was soll ich also denken? Anna! Liebe Anna! Ich danke dir, daß du mit mir geredet hast. Ich will Dieter jetzt nicht sehen!«

      Und leise, mit gebrochenem Herzen, fügte Ina hinzu:

      »Es ist besser, wenn ich ihn nicht mehr sehe, nie mehr!«

      Ina schaute auf die Uhr.

      »Ich muß mich beeilen! Auf Wiedersehen, Anna! Grüße mir Toni!«

      Ina drehte sich um und ging davon. Anna sah ihr verwundert nach.

      Welch ein Madl! Sie liebt Dieter wirklich.

      Das konnte ich in ihren Augen sehen, dachte Anna. Sie will Dieter nicht nur ihretwegen nicht mehr sehen.

      Sie will es ihm nicht noch schwerer machen, seinen Pflichten nachzukommen, wenn der Leichtsinn einer Nacht es erforderlich macht. So dachte Anna über Ina.

      Anna packte das Geschirr und den Rest Kuchen ein und ging nach vorne.

      »Hat sie noch etwas gesagt, Alois?

      »Nein, Anna! Sie kam auch nicht mehr in die Berghütte. Ohne sich umzudrehen ging Ina über das Ge­röllfeld und dann den Pfad hinunter. Sie lief schnell, Anna!«

      »Ja, da kann man nichts machen, Alois. Leicht trägt Ina an dieser Last nicht. Aber sie ist klug. Sie stellt Dieter nicht zur Rede. Sie läßt ihm Zeit, alles zu klären und sich zu entscheiden. Sie weiß, daß Vorwürfe und Streit viele schöne Gefühle in ihrem Herzen zerstören würden – Erinnerungen an Stunden voller zärtlicher Liebe, heiße innige Küsse und Träume. Vielleicht will Ina auch nicht mit Dieter reden, damit sie nicht alles so genau erfährt und sich selbst eine Ausrede zusammenbasteln kann, warum die große Liebe scheiterte. Dann ist es nicht so schmerzhaft, denke ich, Alois!«

      Anna ging in die Küche der Berghütte und räumte den Korb aus. Sie dachte an Toni. Was würde er in Erfahrung bringen?

      *

      Toni fuhr vom Schlachthof direkt zu der Spedition, die ihm sein Freund Leo genannt hatte. Auf dem großen Hof parkten viele Lastwagen. Toni suchte einen Parkplatz für seinen Geländewagen. Er stieg aus, lief eine Rampe hinauf und betrat das Büro.

      »Grüß Gott!«

      Eine ältere Büroangestellte sah von ihrem Schreibtisch auf.

      »Grüß Gott! Was kann ich für Sie tun?«

      »Ich will mich erst einmal vorstellen. Ich bin der Antonius Baumberger, Toni gerufen. Ich bin der Hüttenwirt von der Berghütte, in den Bergen oberhalb von Waldkogel.«

      Die ältere Dame lächelte.

      »Die Berghütte kenn’ ich! Die hat doch früher dem Alois gehört. Hat er sie abgegeben?«

      »Ja, der Alois hat die Berghütte an mich und meine Frau Anna gegeben. Aber der alte Alois lebt jetzt mit uns zusammen auf der Berghütte. Wir sind wie ein Familie.«

      Toni überlegte einen Augenblick. Wenn die Büroangestellte den alten Alois kannte, dann war es geschickt, sich auf den Alois zu berufen.

      Toni rieb sich das Kinn.

      »Sie müssen wissen, daß wir in einer gewissen Angelegenheit etwas ratlos auf der Berghütte sind. Der alte Alois hat mich deshalb hergeschickt, damit ich mit dem Jochen Hortler rede. Der Alois ist ja nimmer der Jüngste und der Weg ist doch ein bissel weit und zu mühsam für ihn. Da tut er mich schicken. Ist der Jochen hier oder ist er mit einer Fuhre unterwegs?«

      »Der Jochen wollte nach Norwegen. Er wollte sogar kündigen. Aber der Chef versucht ihn, zum Bleiben zu überreden. Sie sitzen schon den ganzen Tag drinnen im Büro vom Chef.«

      »Dauert die Besprechung noch lange? Es ist wichtig! Ich muß den Jochen Hortler unbedingt sprechen!«

      »Nun, das weiß ich nicht! Ist es wirklich so wichtig?«

      Toni drehte seinen Hut mit dem Gamsbart in den Händen.

      »Der Alois meint, es sei sehr wichtig. Der Jochen hat ein Madl. Es geht mit einem anderen und will den jetzt heiraten. Der Alois meint, daß der Jochen nix davon weiß und hat mich beauftragt, des dem Jochen zu sagen.«

      »Des kann nur die Gesa sein, oder? Der Jochen hat mir des Madl einmal kurz vorgestellt. Die Gesa ist ein fesches Madl. Der Jochen scheint ganz vernarrt in sie zu sein. Daß die Gesa etwas mit einem anderen hat, des kann ich mir net denken. Die beiden sind so verliebt. Die sind so ein schönes Paar. Des muß ein Irrtum sein. Die Gesa hat bestimmt nix mit einem anderen Burschen.«

      »Doch, gute Frau! Aber des will ich dem Jochen selbst sagen! Kann er net für einen Moment rauskommen?«

      Die Büroangestellte zog die Brauen hoch. Sie stand auf und ging ins Büro des Speditionsunternehmers. Sie schloß die Tür. Es dauerte eine Weile, dann kam sie mit Jochen heraus.

      »Grüß Gott! Ich bin Jochen Hortler! Unsere gute Seele vom Büro machte da eine Andeutung. Was soll des?«

      »Grüß Gott, Jochen! Wollen wir net raus auf den Hof gehen. Da sind wir ungestört. Immerhin sind das ja ziemlich private Dinge.«

      Jochen sagte nichts. Er ging voraus. Toni folgte ihm. Draußen liefen sie im Hof auf und ab. Toni erzählte Jochen, was sich zugetragen hatte. Er sprach von Dieter, der jetzt auf der Berghütte war. Er erzählte von Ina. Und er sprach von Gesa.

      »Also ich hab’ die Gesa immer für ein anständiges Madl gehalten. Es war mehr Zufall, daß euch der Leo von der Bergwacht gesehen hat. Durch ihn weiß ich, daß du und die Gesa… Also daß ihr irgendwie zusammen seid, stimmt des?«

      In einer Hofecke standen Holzkisten. Jochen setzte sich darauf. Toni nahm neben ihm Platz. Jochen schaute Toni stumm an.

      »Toni, ich liebe Gesa! Sie ist mein Madl! In jeder Minute, in der ich Zeit habe, bin ich mit ihr zusammen. Wir haben auch schon oft meine freien Wochenenden in den Bergen


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